rbb24 Inforadio: Soup & Science – Formel für besseren Mathematik-Unterricht
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Die mathematische Bildung von Kindern und Jugendlichen wird entscheidend von den Lerngelegenheiten geprägt, die sie im Mathematikunterricht und bereits in den Kindertagesstätten erhalten. Mathematisches Lernen ist dann am nachhaltigsten, wenn aktives Denken gezielt angeregt wird, an den Lernstand der Lernenden angeknüpft wird und ein Verständnis nicht nur für Konzepte, sondern auch für Strategien und Verfahren aufgebaut wird.
Genau hier setzt das von der Kultusministerkonferenz (KMK) geförderte Programm QuaMath an, das im Januar 2023 offiziell gestartet ist. Geleitet vom Deutschen Zentrum für Lehrkräftebildung Mathematik (DZLM) und koordiniert vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), bündelt QuaMath die langjährige Expertise in der Entwicklungs- und Professionalisierungsforschung des DZLM-Netzwerks aus 12 Hochschulen mit den breiten Erfahrungen aus den Unterstützungssystemen aller beteiligten Länder. Ziel von QuaMath ist es, Mathematik-Lehrkräfte aller Bildungsstufen bei der Förderung mathematischer Kompetenzen zu unterstützen. Dazu werden Fortbildungs- und Unterrichtskonzepte und -materialien entwickelt, erforscht und optimiert, die einen gemeinsamen Kern haben und an die jeweiligen Bedingungen vor Ort angepasst werden.Die Qualität mathematischer Bildung wird durch zahlreiche Merkmale geprägt. In Fortbildungsprojekten hat sich jedoch gezeigt, dass es vorteilhaft ist, sich auf wenige zentrale Qualitätsmerkmale zu konzentrieren. Diese werden dann konsequent für alle didaktischen Entscheidungen in typischen Lernsituationen herangezogen.
Die folgenden fünf QuaMath-Prinzipien werden deshalb allen Modulen zugrunde gelegt.
Das Prinzip der kognitiven Aktivierung zielt darauf ab, Lernende zu aktivem und tiefgründigem Denken anzuregen. Dies bedeutet, dass sie nicht nur Fakten und Verfahren wiedergeben, sondern auch dazu ermutigt werden, Zusammenhänge herzustellen, Konzepte zu erklären, Probleme zu lösen und eigenständiges Denken zu entwickeln. Lehrkräfte können dies durch altersgerechte, herausfordernde Aufgaben, die Förderung des eigenständigen Denkens und die Anwendung von Wissen in neuen Kontexten erreichen. Eine Umgebung, die zur kognitiven Aktivierung einlädt, ermöglicht es den Lernenden, ein tieferes Verständnis und langfristige mathematische Kompetenzen zu entwickeln.
Der Erwerb tragfähiger Konzepte sowie die sichere Beherrschung von Strategien und Verfahren (inkl. Algorithmen, Formeln, …) wird durch Verständnis fundiert. Verständnis für Konzepte, Strategien und Verfahren wird entwickelt, indem Lernende angeregt und unterstützt werden, …
Die Sicherung von Fertigkeiten für Strategien und Verfahren erfolgt nach dem Verständnisaufbau und wird dann für den Aufbau weiteren Verständnisses benötigt. Auch Fertigkeiten müssen konsolidiert werden, um kognitiv zu entlasten, und flexibilisiert bleiben, um vielfältig anwendbar zu sein. Dieser Ansatz kombiniert also die Frage „Wie macht man das?“ stets mit den Fragen „Was bedeutet das?“ und „Warum geht das?“.
Da Lernen immer ein Weiterlernen ist, welches auf Gelerntem aufbaut und zu neuen Lernzielen hinführt, werden im Laufe der Schulzeit grundlegende Ideen, Inhalte, Aufgaben und Darstellungsmittel immer wieder, auf verschiedenen Niveaus und unter Berücksichtigung unterschiedlicher Gesichtspunkte angesprochen, um sie anzureichern und zu verknüpfen.
Kommunikation untereinander und mit der Lehrkraft ist essentiell zum Lernen von Mathematik.
Bildungsbereiche
Das Programm ist entsprechend der Bildungsstruktur in zwei Bereiche gegliedert. Der Schwerpunkt liegt auf der langfristigen Entwicklung des Mathematikunterrichts an allgemeinbildenden Schulen. Ein zweiter Programmteil widmet sich der Qualifizierung von Fachschullehrkräften, die angehende Erzieherinnen und Erzieher in ihrer fachschulischen Ausbildung unterrichten.
Primar- und Sekundarbereich
QuaMath zur langfristigen Entwicklung des Mathematikunterrichts, anpassungsfähig an die verschiedenen Stufen der allgemeinbildenden Schulen.
Fachschulen
QuaMath für die umfassende Qualifizierung von Fachschullehrkräften zur Integration der frühen mathematischen Bildung in der Ausbildung von Erzieherinnern und Erzieher.
Aktuelles
NETZWERK
Das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM) ist in der Abteilung Fachbezogener Wissenstransfer des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) angesiedelt. Das DZLM-Netzwerk besteht aus Professorinnen und Professoren von 12 deutschen Hochschulen sowie dem IPN und trägt die Arbeit am DZLM.
Das DZLM entwickelt, implementiert und erforscht – gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Praxis – wirksame Fortbildungs- und Unterstützungsangebote im Fach Mathematik für Lehrkräfte, frühpädagogische Fachkräfte und Fortbildende.
Erfahrungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen des QuaMath-Programms.
»QuaMath ist Verbindung, Vernetzung, Teamentwicklung und Anschaulichkeit – Mathematik in Beziehung zu anderen Fächern.«
Yvonne A.
Landeskoordinierende ST
»QuaMath hat ein unglaublich großes Potential, die Fachschaftsarbeit nachhaltig zu stärken und ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.«
Antje B.
Multiplizierende
»Wir haben bereits mit SINUS gute Netzwerkerfahrungen gemacht und sind überzeugt davon, in QuaMath auch mit unseren jungen Kolleginnen und Kollegen so zu arbeiten.«
Heike S.
Schulleiterin
»QuaMath ist ein Projekt, das die Verbesserung der Unterrichtsqualität und die kompetenzorientierte Sichtweise auf Lernende nicht nur in einem Fach ermöglicht, was schon das Projekt „SINUS“ leistete, sondern einen Anknüpfungspunkt dieser Herangehensweise für alle Fachbereiche bildet und somit die Schulentwicklung der gesamten Schule fördert. Es bedingt und stärkt Teamstrukturen in der Schulgemeinschaft, fördert die Einsicht der Notwendigkeit zur Kooperation im Alltag und trägt somit wesentlich zu einer Entlastung der Unterrichtenden bei.«
Grit G.
Schulleiterin
»Ich sehe den länderübergreifenden Austausch als riesige Chance zur Verbesserung des Unterrichts. Ich freue mich auf immer neue Impulse, Perspektiven und Ideen zur Weiterentwicklung.«
Steve W.
Lehrkraft
»In unserer Arbeit als Landeskoordinierende ist es uns wichtig, verlässliche und kompetente Ansprechpartner für alle Anliegen, Fragen und Sorgen unserer Multiplizierenden zu sein. Gemeinsam nehmen wir beispielsweise an der Qualifizierung der Basismodule teil. Darauf aufbauend organisieren wir als Landeskoordinierende unsere Arbeitstreffen mit den Multiplizierenden, reflektieren und diskutieren hier die Inhalte der einzelnen Bausteine und adaptieren die Fortbildungsinhalte und -unterlagen für die landesspezifischen Berliner Bedingungen.«
Carola S.
Landeskoordinierende BE
Neue Artikel, Interviews und Presseinformation zu QuaMath sowie umfassende Informationsmaterialien und Kurzvideos zum Programm.
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